Konstruktiver kommunizieren nach Marshall B. Rosenberg
Die psychotherapeutische Heilpraktikerin Karin Däneke übte mit Teilnehmern eine neue Form der Sprachführung
Karin Däneke war Lehrerin am Gymnasium in Radolfzell, ehe sie ihre Berufung als psychotherapeutische Heilpraktikerin sowie als Coach fand und sich selbständig machte. „Allensbacher Seminare“ nennt sich ihre Praxis in Allensbach am Bodensee.
Sie mag gewaltfreie Kommunikation und genau darüber referierte sie in der Grundschule. Karin Däneke band die TeilnehmerInnen auch in das Gesagte aktiv ein, indem diese eine neue Form der Sprache ausprobierten. „Jeder hatte schon Konflikte. Ich mag die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Sie ist auch toll für die Mediation“, erklärte sie.
Dem US-Amerikaner Rosenberg ging es um die Prävention von Gewalt. Er verstand sie als Methode, um besser und menschlicher miteinander umzugehen. Und um Empathie, das Mitfühlen mit sich und anderen im tieferen Sinne. Däneke bedauerte allerdings, dass in dieser Methode im Deutschen das Wort „Gewalt“ steckt. „Es gibt aber auch die Definition der verbindenden Kommunikation oder der Giraffensprache“, formulierte die Mediatorin.
Konflikte gibt es seit der Finanz- und Bankenkrise mehr denn je. Gewalt in der U-Bahn, Amokläufe, Proteste gegen Stuttgart 21 und gegen die Machenschaften der Banken. Diese Eskalationen sind entstanden, weil die Bedürfnisse von Menschen übergangen wurden. Dennoch fragte sich Karin Däneke, wie Menschen wie Viktor Frankl trotz KZ einfühlsam bleiben konnte. Sie sagte auch, dass viele Rosenberg wegen seiner Haltung zu Hitler nicht folgen können. „Ich muss auch Hitler verstehen können“, formulierte es der Amerikaner einmal.
Karin Däneke wunderte sich früher darüber, dass ihre guten Absichten nicht ankamen. Als Schlüssel zur Lösung fand sie zu Rosenberg. Zunächst einmal gehe es darum, Empathie für sich selbst zu entwickeln. Nicht allen Menschen fällt das leicht. Soldaten etwa wird das sogar abtrainiert. Der nächste Schritt ist die Analyse: „Was fühle ich?“ Die vier Grundgefühle seien Freude, Wut, Trauer und Angst. Durch dieses Erspüren gelange der Einzelne zu seinen Bedürfnissen, die befriedigt werden oder eben auch nicht.
Nach Marshall B. Rosenberg entsteht Gewalt durch Nichterfüllung der Wünsche. Wer sich die Erforschung des Narzissmus ansieht, steht einer großen Anzahl von Straftätern gegenüber. Durch die pathologisch ständige Unzufriedenheit des angeblich Zukurzgekommenen und einer niedrigen Frustrationstoleranz kommt es zu Dauerfrust und Gewalt.
Rosenberg unterscheidet zwischen Gefühlen wie einsam, sauer, zornig, lustlos usw. und Pseudogefühlen wie angegriffen, gezwungen, benutzt. In den Pseudogefühlen stecken Schuldzuweisungen. „Wie sind im Feindbilddenken programmiert und sollten bewusster kommunizieren“, sagt der Experte. Statt: „Du Trottel tust nie, was ich sage“ besser formulieren: „Du ärgerst dich…“ Wenn das nicht stimmt, kann der andere sagen: „Nein, ich bin frustriert, weil…“ Das Gespräch wird auf die Gefühlsebene gehoben.
Wir leben allerdings in einer Welt, in der es nicht um Gefühle geht oder gehen soll. Es fällt vielen schwer, sie zu äußern. Karin Däneke: „Ziele werden eher erreicht, wenn man nicht wutentbrannt ist.“ Wir leben aber in einer Zivilisation, in der Stress zu unkontrollierter Wut führen kann. Auch Schlafmangel oder Hunger können aggressiv machen. In der Liste der Gefühle nach Rosenberg kommt übrigens folgendes Vokabular nicht vor: neidisch sein, missgünstig und hasserfüllt. Hass ist aber leider eine der stärksten Triebfedern für Mord und Totschlag. Doch nach Rosenberg geht es um ein achtsames Miteinander als Prävention von Gewalt. Und sicher auch von Hass. Die Diskussion unter den TeilnehmerInnen zeigte, wie schwierig es ist, Rosenbergs Idealtypus zu erfüllen. Jeder ist anders sozialisiert und drückt sich anders aus. Vielleicht hilft auch die Toleranz, gerade das zu akzeptieren und den anderen nach seinen Bedürfnissen zu fragen, ohne die eigenen zu verlieren und auch seine zu äußern.
© Corinna S. Heyn